Sunday, June 24, 2012

Johanni & Summer Solistice

Wer kann im Walde behutsam sein, 
nicht singen und rufen und auch nicht schrei’n? 
Wer beugt sich gern nieder zu Wurzel und Stein, 
zu schau’n nach den kleinen Moosmännlein?

Man erkennt sie an ihren Zipfelmützen. 
Manchmal sieht man sie beisammen sitzen. 
Doch ruh‘n sie nur selten an einem Ort. 
Bald huschen und trippeln sie wieder fort.

Sie sammeln das Wasser und hüten es fein, 
zu tränken die Bäume und Pflänzelein. 
Sie hausen im Moose, bei Farnkraut und Gras. 
Was ist denn dort? Da rührt sich was!

Da steht ein alter Wurzelgnom, 
Sein Bart reicht bis zum Boden schon. 
Viele Männlein sitzen rings herum. 
Sie hören ihn flüstern und lauschen stumm.

»Moosmännchen Weißbart werd‘ ich genannt. 
Viel’ hundert Jahr leb’ ich im Land. 
Ich spür’es wieder die Hitze kommt bald. 
Der Feuermann flitzt über Wiese und Wald.

Schon naht des Sommers heiße Glut. 
Ihr Männlein, tränket die Erde gut! 
Holt eure Töpfchen, sputet euch schnelle, 
schafft Wasser zur Stelle!«

Da rappeln die Kleinen und eilen im Trab. 
Sie sammeln die vielen Tautröpfchen ab. 
Von Quell und Tümpel schleppen sie Wasser weg 
und bringen’s zum Wald in ihr Moosversteck.

Vom Waldrand herüber schweben die Elfen: 
»Oh bitte, ihr Gnomen, wollt ihr uns helfen? 
Unsere Blumen haben schon lang’
nichts getrunken, manche sind schon umgesunken.

Helft, dass am längsten Sommertag, 
den die Sonne uns bringen mag, 
zu dem Feste Sankt Johann 
die rote Rose auch blühen kann!«

Da eilen die Männlein, eins, zwei, drei, 
mit ihren kleinen Töpfchen herbei. 
»Hier habt ihr das Wasser! Das Moos im Wald 
hat es gespeichert. Erholt euch bald!«

Froh schwingen die Elfen wieder, 
zu den Knospen auf und nieder. 
Leichtfüßig tanzen sie ganz leise, 
ringsherum nach ihrer Weise.

Strahlend kommen miteinander 
als Feuergeister die Salamander, 
sprühen die Wärme in die Luft, 
zaubern Blütenfarb’ und Duft.

Als fröhliche, luftige Schwesterlein 
finden sich bald die Sylphen ein. 
Mit Hummeln und Faltern und Bienen, 
woll’n sie den Blumen dienen.

Von guten Gehilfen sorgsam beschenkt, 
war das Gedeihen der Blumen gelenkt. 
Die rote Rose ist erwacht. 
Am Johannestag blüht sie in voller Pracht.

Christiane Kutik